Oktober 19, 2010 3

Warum ich viele Agenturen doof finde und die Deutsche Bahn bei Facebook nicht liken werde

By Melanie Joos in Beispiele

db_fbHabt ihr auch alle ganz fleißig die ersten Schritte mit dem chefticket der Deutschen Bahn gestern auf Facebook verfolgt? Und habt ihr den Gefällt-Mir-Button geklickt? Und wenn ja, warum eigentlich? Weil euch die Verspätungen gefallen? Weil ihr von ausgefallenen Klimaanlagen im Sommer nicht genug bekommen könnt? Weil die Bahnpreise so unverschämt günstig sind? Und weil ihr Stuttgart21 total super findet? Oder gefällt euch einfach nur die Möglichkeit so vor Weihnachten günstig an ein Zugticket zu kommen, dass aber explizit in der Weihnachtszeit nicht benutzt werden kann?
Erzählt es mir, ich bin gespannt.

Ich habe den “Gefällt mir”-Button nicht gedrückt. Ich fahre zwar gerne mit dem Zug durch die Gegend, aber ich ärgere mich zu sehr über die Bahn, als dass ich sagen könnte, sie gefiele mir. Außerdem mag ich es nicht, als Kunde und Facebook-Nutzer für so naiv gehalten zu werden. Like-Klicken, damit ich das Angebot wahrnehmen kann?! Also bitte! Und da kommen wir zur Agentur. Nein. Hinter diesem Kommunikationskanal sitzt niemand von der Deutschen Bahn direkt. Selbstverständlich wurde eine Agentur für Social Media beauftragt, die nun natürlich auch Zahlen vorweisen möchte. 5.144 Personen gefällt das bereits. Diese Zahl kann die Agentur belegen. Wie kurzfristig hat sie dabei aber bitte gedacht? Wo ist die langfristige Strategie? Hat sie darüber nachgedacht, dass das Ganze auch ganz schnell wieder verpufft? Dass der Ärger eigentlich zu groß ist und das Image der Bahn dadurch nicht zwingende aufpoliert wird?
Die Likes wurden erkauft. Simpel. Primitiv. Und das enttäuscht, liebe Bahn. Wie so vieles in den letzten Tagen, Monaten und Jahren.

Soviel von mir. DonDahlmann hat auch was Interessantes dazu zu sagen.

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3 Responses to “Warum ich viele Agenturen doof finde und die Deutsche Bahn bei Facebook nicht liken werde”

  1. Manuel Heinrich sagt:

    Hi,

    gute Frage! Ich habe den Like-Knopf gedrückt, weil ich es spannend finde, dass/wenn ein Unternehmen (gerade) in Krisenzeiten an die Öffentlichkeit geht. Und weil es mir auf diese Weise leichter fällt, Aktualisierungen und Reaktionen zu verfolgen; zum Thema Tierschutz (wegen des Hahnenkampfes im Video) haben sie das schon getan: http://www.facebook.com/chefticket/posts/146785018699363

    Disclaimer: Die Öffentlichen Verkehrsmittel mag ich, die Bahn manchmal auch.

  2. Philipp sagt:

    Ich hab geliked, weil ich die Bahn gerne benutze. Ich fahr jeden Tag Bahn, und bis vor einiger Zeit auch jedes Wochenende längere Strecken (Im übrigen 2 Jahre lang ohne größerer Verspätungen), ohne Bahn wäre ich da aufgeschmissen gewesen.

    Dass da irgendeine Agentur dahinter steckt, schon klar. Stört mich aber nicht.

    Das Video da find ich allerdings quatsch, genauso wie das “Spiel”.

    Hab es einfach so geliked, wie ich auch Fernsehserien und anderes Zeug like.

  3. Chris sagt:

    Das is so wie Freunde “adden” – die Überzahl macht’s, und keiner kennt sich (wirklich).
    Diese Werbeaktion ist privatwirtschaftsrechtlich gesehn nicht mehr als jede andere “invitatio ad offerendum”.
    Modernes Marketing entspricht primär der kurzfristigen Betrachtungsweise, da die Produktlebenszyklen von immer kürzerer Dauer sind – es geht bei dieser Aktion lediglich um die schnelle Gewinnabschöpfung. Von daher ist eine langfristige Betrachtungsweise (> 10 Jahre) eh ungeeignet. Als kurzfristig definiert man 1-12 Monate, das trifft zu.
    Sinn der Aktion ist es neue externe Zielgruppen anzusprechen und auf Facebook befindet sich nunmal eine große Menge an potenziellen Interessenten. Hinzu kommt der psychische Effekt für den Kunden einer “exklusiven” Gruppe anzugehören -> “NUR auf facebook”. Das lockt.
    Gerade solche Aktionen sollen ja das Markenimage verbessern und locken mit psychologischen Effekten, die die Zielgruppe positiv stimmt. Marketing funktioniert nach neuen Modellen, z. B. modifiziertes Markensteuerrad nach ESCH, primär mit Hilfe emotionaler Komponenten – nur Hardfakts war gestern.

    Klar dass die DB AG das outsourced, ist weniger kostenintensiv und behindert nicht die Konzentration auf die Kernkompetenz Logistik.

    Ob die jetzt was von sozialmedialer Werbung versteht oder nicht, spielt in meinen Augen keine große Rolle. Ob sich zig Leute das Maul auf Facebook oder in aller Öffentlichkeit zerreissen, ist nahezu egal. Fakt bleibt, dass die Bahn gerade für Studenten und Pendler quasi die einzige Alternative zum Auto darstellt und deswegen wird auch bei nochsoviel Unzufriedenheit Bahn gefahren, weils eben immer noch günstiger ist als mit dem Auto zu fahren.

    Ich will jetzt nicht allzu Pro-Bahn klingen, aber man muss auch mal die logistische Komplexität eines solch großen Verkehrsnetzes bedenken. Keiner kann hier für 100%ige pünktlichkeit garantieren – an den Einkaufskassen läufts ja auch nie rund, obwohl oft Versprechen wie “max. 3 Minuten warten” gemacht werden.
    Sicherlich sollte aber in die Wartung mehr Geld fliessen, keine Frage …
    Ich fahr eh lieber Auto. :-)

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